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Die Wahrheit über Fastentage beim Hund

Immer mal wieder stolpere ich über veraltete, längst widerlegte Ansichten, die besagen, dass durch einen oder zwei Fastentage in der Woche der Verdauungstrakt des Hundes entlastet wird. Meist wird im gleichen Atemzug der Wolf als Vergleich herangezogen. Dieser müsse in der Wildnis ebenso manchmal länger ohne Futter auskommen.


Dabei liegen Hund und Wolf, was das Thema Ernährung angeht durch die Domestizierung des Hundes weiter auseinander als manch einer denken mag. Und den teilweise haarsträubenden Infos im Internet steht eine Faktenlage entgegen, die zeigt, dass Fastentage beim Hund eher schädlich als gesundheitsfördernd sind.

Hund hungern lassen
Hund fasten lassen

Den Hund hungern lassen belastet seinen Organismus

Schauen wir uns einmal die Fakten an: Die regelmäßige Nahrungsaufnahme des Hundes ist notwendig für eine optimale Verdauung und Nährstoffaufnahme. Und somit für einen gesunden Hundekörper.


Dass alle Abläufe im Körper des Hundes ihre geregelte Ordnung haben, dafür benötigt er Energie. Diese Energie stammt aus der Nahrung, die der Vierbeiner zu sich nimmt. Stoffwechsel ist hier das Schlagwort und der Oberbegriff für die chemischen Reaktionen, die in einer Körperzelle des Hundes (und vieler anderer Organismen) stattfinden: Die Zelle nutzt diese chemischen Reaktionen, um Energie für einen gesunden und funktionstüchtigen Hundekörper zu erzeugen.


Im Umkehrschluss bedeutet das: Lassen wir unseren Vierbeiner hungern, belastet das seinen Organismus. Denn der Körper läuft jetzt auf Sparflamme.

Abgesehen davon, dass auch ein Wolf nicht freiwillig fastet, weil er denkt: „Ach, ich esse jetzt einen Tag mal nichts, um meinen Verdauungstrakt zu entlasten“, bedeutet der Nahrungsentzug auch für das Wildtier eine starke Beanspruchung seines Körpers.


Zwei potenzielle Risiken, wenn Sie Ihren Hund hungern lassen


1. Hundedarm und Darmmikrobiom leiden: Einen Hund fasten zu lassen, ihm kein Futter für einen Zeitraum von mehr als 12-24 Stunden zu geben, führt zu einer Abnahme seines Darmmikrobioms und zu einer Reduktion der Darmzottenlänge. Die Darmzotten, etwa 1mm lange Erhebungen in der Dünndarmschleimhaut, dienen der Aufnahme von Nährstoffen ins Blut aus dem Nahrungsbrei im Darm während der Verdauung. Werden sie reduziert, bedeutet das die Beeinträchtigung der natürlichen Verdauungsvorgänge im Hundedarm. Ein geschwächtes Darmmikrobiom und diverse darauf zurückzuführende Krankheiten können die Folge sein. Gefährdet sind Hunde mit akutem Durchfall

Und ja, manche Hundehaltende füttern ihren Vierbeiner nur einmal am Tag. Das stellt bei einem gesunden Tier kein Problem dar. Denn die Verdauungsmaschinerie beim Hund läuft in einem Zeitraum von bis zu 48 Stunden ab. Also vom Fressen über die Verdauung bis auch der letzte Kotrest den Körper verlassen hat und zwischendurch gibt es ja auch mal Leckerchen. Der Darm ist dementsprechend nicht leer.


Bei Hunden mit akutem Durchfall oder generell Problemen mit einer erhöhten Darmperistaltik (Darmbewegung) sieht die Lage jedoch anders aus: In diesen Fällen ist der Darm schneller entleert, die Bakterien haben nichts zu verarbeiten und die Darmschleimhaut erhält keine Nährstoffe. Die Folge: Sie wird dünner, Bakterien sterben ab, das Darmmikrobiom wird geschwächt.

2. Psychischer Stress: Fastentage bedeuten hochgradigen psychischer Stress für unsere Vierbeiner. Unserem Hund das Futter vorzuenthalten, bedeutet ja: Das Vertrauen, dass das Tier zu uns aufgebaut hat, zum Einsturz zu bringen. Das Tier verlässt sich darauf, dass wir es regelmäßig füttern, und „heute gibt es mal nichts?“ Oder wie erklären sie Ihrem Vierbeiner das?


Bei einer längeren Fastenperiode von einigen Tagen drohen zudem Gewichtsverlust und Muskelabbau beim Hund.



Alternativen zu Fastentagen für den Hund

Es mag Situationen geben, in denen es uns als eine gute Idee erscheint, dem Hund einfach mal eine Futterpause zu verordnen. Etwa wenn der Vierbeiner zu viel Gewicht auf die Waage bringt oder sich den Magen verdorben hat. Aber den Hund über einen oder zwei Tage gar kein Futter zu geben, ist wie vorhergehend beschrieben, niemals eine Lösung. Je nach Ausgangslage gibt es andere Möglichkeiten, die wir uns nun genauer ansehen.


Wenn es den Hund magentechnisch erwischt hat

Hat sich Ihre Fellnase den Magen verdorben, ist es durchaus in Ordnung ihm für einige Stunden kein Futter zu geben, so dass der Magen sich beruhigen kann. Bei einem akuten Durchfall reizt jedes Futter erst einmal weiteren Durchfall.


Oft ist aber bereits nach 6-12 Stunden wieder eine Beruhigung des Darms wahrzunehmen. Zeigt Ihr felliger Freund jetzt erste Anzeichen von Appetit, spricht nichts dagegen ihm kleinere Happen Schonkost (wie Hühnchen und Reis) zu füttern. Zusätzlich oder als alleinige Mahlzeit empfehle ich Ihrem Vierbeiner Morosuppe zu geben. Die aus nur drei Zutaten einfach herzustellende Karottensuppe wird als Allrounder bei Magendarm-Erkrankungen von Mensch und Hund gehandelt. Hier gibt’s mehr Infos zur Morroschen Suppe und natürlich auch das Rezept zum Nachkochen.


Gesunde Gewichtsabnahme beim Hund: Besser alternative Ansätze als Hungern lassen

Hat Ihr Hund Übergewicht sollten Sie sich zunächst einmal die näheren Umstände ansehen. Dem Vierbeiner das Futter zu entziehen, schadet ihm mehr, als dass es die Pfunde purzeln lässt.


In einem ersten Schritt empfehle ich immer einen Check beim Tierarzt, um Krankheiten auszuschließen, die zum Übergewicht geführt haben könnten. Sind diese auszuschließen, sollten Sie sich den Alltag und die Gewohnheiten Ihres Hund-Mensch-Teams anschauen.


Die Gründe für das Hüftgold beim Vierbeiner: Futter und Bewegung in Dysbalance

Zu viel Futter, zu wenig Bewegung. Übergewicht beim Hund gibt einen Hinweis auf einen ungesunden Lebenswandel wie bei uns Menschen auch. Der Vierbeiner nimmt mehr Kalorien zu sich als er verbrennt – einfache Rechnung.

Aber anstatt der Fellnase Fastentage aufs Auge zu drücken, sollte die Etablierung eines ausgewogenen Ernährungsplan unter Berücksichtigung von Kalorienzufuhr und Bewegung im Fokus stehen.


Das kann anfangs überfordernd sein, ich weiß. Denn der Energiebedarf eines jeden Tieres hängt von verschiedenen Faktoren ab. Und natürlich sollte das Futter alle Nährstoffe abdecken. Holen Sie sich am besten die Unterstützung einer Tierernährungsberatung, die einen individuell auf Ihren Hund zugeschnittenen Ernährungsplan basierend auf Alter, Rasse, Gesundheitszustand und Gewicht erstellt. Und Tipps für mehr Bewegung im Hundealltag gibt’s dazu.




Den Hund hungern zu lassen ist nicht empfehlenswert

Fastentage für Hunde Schaden dem Tier eher, als das sie zu seiner Gesundheit beitragen. Und bei spezifischen Fällen wie Gewichtsabnahme oder einem empfindlichen Magen sind sie genau der falsche Weg. Auch wenn sie aus prophylaktischen Gründen Anwendung finden, beispielsweise „um die Darmflora zu stärken“, was wissenschaftlich nicht haltbar ist.

Vielmehr kann es das Vertrauensverhältnis zu Ihrem Vierbeiner beeinflussen, wenn Sie seine Mahlzeiten ausfallen lassen.


Bieten Sie Ihrem Hund stattdessen eine ausgewogene und artgerechte Ernährung, die auf seine individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist und Sie werden mit einem gesunden Tier belohnt.

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