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Futtermilben im Hundefutter. Eine überschätzte Gefahr?


Trockenfutter für Hunde kann mit Futtermilben kontaminiert sein
Futtermilben - eine Gefahr im Hundefutter?

Futtermilben im Hundefutter. Anlass zur Panik? Nun ja, eins ist klar, sie sind ein brisantes Thema. Und für einen Hund mit einer Futtermilbenallergie ist der Kontakt mit den kleinen Spinnentieren mehr als unangenehm. Als besorgter Halter stellen Sie sich die Frage, ob Sie Ihrem allergiegeplagten Vierbeiner noch Trockenfutter füttern sollten oder nicht.

Der allgemeine Tenor in den Suchmaschinen ist folgender: Allergiefutter oder ausschließlich Nassfutter ist die beste Lösung für einen auf Futtermilben reagierenden Hund.


Aber ist das wirklich die einzige Lösung? Liegt der Hase eventuell ganz woanders im Pfeffer? Ist es vielleicht sogar einfacher, Futtermilben zu vermeiden, als viele meinen?

Diese und weitere Fragen möchte ich im Folgenden beantworten. Und gleichzeitig, die ein oder andere Fehlinformation aus dem Weg räumen.


Die, die wir nicht sehen können: Was sind Futtermilben eigentlich?

Milben wie Futtermilben können im ganzen Haus verborgen sein.
Milbenarten im Haushalt

Futtermilben, auch Vorratsmilben (Vorratsschädlinge) genannt, sind etwa 0,3 mm kleine Spinnentiere. Mit bloßem Auge sind sie kaum zu erkennen. Zur Familie der Futtermilbe zählen verschiedene, schwer voneinander zu unterscheidende Arten.

Da wären zum Beispiel die Backobstmilbe, die Mehlmilbe, die Hausmilbe (nicht zu verwechseln mit der Hausstaubmilbe) und die Käsemilbe. Wenn eine Allergie gegen eine dieser Milbenarten vorliegt, dann oft auch in Form einer Kreuzreaktion gegen die anderen Arten.


Feucht-warm und nährstoffreich: Ein Paradies für Futtermilben

Am wohlsten fühlen sich die Vorratsschädlinge bei einer hohen Luftfeuchtigkeit und einer Umgebungstemperatur von rund 25 Grad. Als Lebensraum bevorzugen sie eine nährstoffreiche Umgebung. Favorisiert werden eiweißreiche Nahrung oder Getreide- und Pflanzenmaterial sowie Tierfutter.

Leben Futtermilben unter diesen für sie paradiesischen Bedingungen beträgt ihre Lebensdauer einige Woche bis zu mehreren Monaten. Allerdings sind die kleinen Kerle widerstandsfähig und können auch in einer weniger für sie geeigneten Umgebung überleben.

 

Wie kommen die Milben ins Futter?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Futtermilben ins Hundefutter gelangen können.

  • Vor oder während der Tierfutterproduktion: Gegebenenfalls können Futterrohstoffe wie Getreide mit Milben verunreinigt sein. Kommerzielles Trockenfutter wird nach bestimmten Richtlinien erhitzt. Wenn diese Parameter allerdings nicht eingehalten werden, kann es vorkommen, das Milben überleben. Ebenso können Futtermilben vor dem Verpacken in das bereits erhitze Futter gelangen, vorausgesetzt das Futter wird zwischengelagert und nicht direkt abgefüllt.

  • Transport in den Handel: Nehmen wir an, bereits fertig produziertes, erhitztes, milbenfreies Futter wurde in die vorgesehenen Futtersäcke gefüllt, die auf dem Transport in den Handel Schaden nehmen. Beschädigte Verpackungen oder Futtersäcke können mit Futtermilben kontaminiert werden.

Nun das Große „aber“: Normalerweise sind frische Futterbeutel milbenfrei. Vor allem wenn wir davon ausgehen, dass die Regeln während der Tierfutterherstellung eingehalten werden und die Ware auf Schäden kontrolliert wird, bevor sie in den Verkauf geht. Es gibt eine weitere dritte Möglichkeit, wie die Futtermilben ihren Weg ins Tierfutter finden und diese ist die wahrscheinlichste: Ihre eigenen vier Wände.


Zu Hause lauert die wahre Gefahr

Sie fragen sich, wie genau das passieren kann? Alles steht und fällt mit der richtigen Lagerung des Hundefutters. Ist diese nicht sachgerecht, können Futtermilben es sich jederzeit bei Ihnen zu Hause im Tierfutter bequem machen.

Denn: Futtermilben kommen gerne auch im Hausstaub vor. Sie gelangen bspw. über die Kleidung in Ihren Haushalt oder wenn bei Ihren Einkäufen eine verunreinigte Mehltüte dabei war. Und dann führt eins zum anderen:

  • Bewahren Sie das Hundefutter in einem nicht luftdicht verschlossenen Behälter auf, können die Milben ganz einfach von der menschlichen Nahrung wie Haferflocken, Müsli oder Reis (diese Nahrungsmittel können ggf belastet sein) auf das Tierfutter hüpfen.

  • Auch gefährlich: Sie füllen das frische Futter in eine Futterbox um, die bereits mit Futtermilben verunreinigtes Futter enthält.

 

Aber wie erkenne ich Vorratsmilben im Hundefutter?

Da Futtermilben mit bloßem Auge kaum sichtbar sind, ist es nicht so einfach, herauszufinden, ob das Hundefutter kontaminiert ist. Wenn Sie den Verdacht hegen, dass das Futter von Futtermilben befallen sein könnte, gibt es zwei Indizien, die für einen positiven Milbenbefund sprechen:

  1. Am Boden des Futterbehälters hat sich brauner Milbenstaub gesammelt.

  2. Das Trockenfutter riecht “minzig”.

Haben Sie aufgrund eines der beiden Indizien den Verdacht, dass Futtermilben es sich im Futter gemütlich gemacht haben, sollten Sie das Hundefutter am besten entsorgen.


Es juckt und beißt: Futtermilbenallergie beim Hund

Ein eher unschönes Indiz dafür, dass das Hundefutter von den kleinen Parasiten bewohnt wird, können auch Allergiesymptome Ihres Hundes sein.

Warum Hunde auf Futtermilben reagieren? Ihr Immunsystem reagiert auf die Milben und den Milbenkot mit einer überschießenden Reaktion.


Folgende Symptome sind dabei die häufigsten:

  • Juckreiz

  • Fellverlust

  • Hautentzündungen

  • wunde Stellen

Oft einhergehend mit

  • Magen-Darm-Problemen mit Durchfall und Erbrechen.

Sie haben den Verdacht, dass Ihr Hund allergisch auf Futtermilben reagiert? Wenn er eines oder mehrere dieser Symptome zeigt, sollten Sie den Tierarzt aufsuchen. Ein Intrakutantest (ähnlich Pricktest (Hauttest) bei Menschen) kann Aufschluss geben.


Futtermilben beim Hund loswerden

Wenn Sie einen Hund haben, der an einer Futtermilbenallergie leidet, wird Ihnen sehr daran gelegen sein, diese zu meiden.

Der wichtigste Tipp zur Vorbeugung von Futtermilben: auf Futterhygiene und richtige Lagerung achten. Das bedeutet im Detail:

  • Lagern Sie das Hundefutter luftdicht, trocken und kühl. Zum Beispiel im Kühlschrank.

  • Kaufen Sie kleine Verpackungen, die Sie schnell verbrauchen (keine 30 Kilogrammsäcke für einen Chihuahua).

  • Füllen Sie das Futter in eine Futtertonne um und reinigen Sie diese regelmäßig gründlich mit heißem Wasser.

  • Lagern Sie das Tierfutter getrennt von menschlichen Nahrungsmitteln und Tiermöbeln wie z. B. Hundebetten.

  • Optional können Sie frisch gekauftes Futter direkt portionsweise einfrieren.


Futtermilben abtöten durch Einfrieren?

Ist das Hundefutter bereits von Milben befallen, hilft auch das Einfrieren nicht mehr. Auch tote Milben können bei Ihrem Hund Allergiesymptome auslösen.


Kein Trockenfutter für Hunde mit Futtermilbenallergie?

Da frisches Trockenfutter normalerweise milbenfrei ist und erst daheim durch falsche Handhabung verunreinigt wird, muss Ihr Milbenallergie geplagter Hund nicht auf Trockenfutter verzichten.

Das sich hartnäckig haltende Vorurteil, dass Hunden mit Futtermilbenallergie kein Trockenfutter gefüttert werden sollte, ihnen sogar nur noch spezielles Diätfutter für Allergiker zu geben, ist hinfällig, wenn Sie sich an die Tipps zur Hygiene beim Futter halten.


So sauber, dass man vom Boden essen kann

Nun, das wäre übertrieben. Aber: Es ist wichtig auf eine generelle Hygiene im Haushalt zu achten. Denn Futtermilben sind im Hausstaub zu finden. Und Hunde mit einer Futtermilbenallergie sind häufig auch gegen Hausstaubmilben allergisch (Kreuzallergie).

So wenig Kontakt zu Hausstaub wie möglich ist also eine wichtige Maßnahme, für das Wohlbefinden des allergischen Hundes. Mit diesen Mitteln lässt sich der Kontakt mit Hausstaub für den Vierbeiner minimieren:

  • die Hundedecken regelmäßig waschen

  • auf möglichst abwaschbare Möbel und Böden achten

  • Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent halten

  • einen Allergenfilter für den Staubsauger verwenden

  • Tier nicht ins Schlafzimmer bzw. Bett lassen, da in Matratzen und Bettzeug für gewöhnlich viele Milben leben


Futtermilben an sich sind nicht gefährlich

Oft sind wir schon von ihnen umgeben. Im Haushalt, der Natur. Aber: Es ist richtig, dass sie Allergien bei unseren Vierbeinern auslösen können. Es passiert sehr viel seltener als man denkt, doch wenn Ihr Hund an einer Futtermilbenallergie leidet, kann man die Kontaktpunkte vermeiden. Mit einem hohen Hygienestandard was die Futterlagerung und die Lebensumgebung Ihres Hundes angeht, sollte die Allergie eingedämmt sein. Und Ihr Vierbeiner in der Lage sein, ohne Einschränkungen sein Futter genießen zu können.


Ich berate Sie gern zu allen Themen rund um die Hundeernährung.


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